In Memoriam: Mario Biagioli (1955–2025)
- Mai 22, 2025
- Institutsnachrichten
In tiefempfundener Trauer nimmt das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) Abschied von Mario Biagioli, einem herausragenden Forscher, dessen Wirken unser Verständnis von Wissenschaft, ihrer Geschichte und ihrer Verflechtungen mit Recht, Kunst und Gesellschaft nachhaltig geprägt hat.
Mario Biagiolis wissenschaftliche Tätigkeit überschritt disziplinäre und geografische Grenzen und hinterließ einen nachhaltigen Eindruck in den Bereichen der Wissenschaftsgeschichte, der Wissenschafts- und Technikforschung sowie des Rechts des geistigen Eigentums. Seine richtungsweisenden Arbeiten, darunter Galileo, Courtier und Galileo’s Instruments of Credit, beschrieben in neuartiger Weise die Wissenschaft der Frühen Neuzeit, indem sie sie als ein zutiefst soziales und performatives Unterfangen darstellten und so das komplexe Zusammenspiel von Wissen, Macht und materieller Kultur beleuchteten.
Die Zusammenarbeit Biagiolis mit dem MPIWG war dabei nicht nur langjährig, sondern auch von transformativer Bedeutung. Das Engagement, mit dem er sich der Forschung zur Frage des Wissenseigentums—insbesondere in Initiativen wie der Konferenz Ownership of Knowledge—widmete, verdeutlichte sein Bestreben, die Wechselwirkungen von rechtlichen und epistemischen Regimen bei der gemeinsamen Produktion wissenschaftlicher Autorität zu ergründen. Auch seine jüngsten Kooperationen mit unseren Kolleg*innen bereicherten unsere gemeinsamen Untersuchungen globaler Dimensionen wissenschaftlicher Wissensproduktion erheblich.
Über sein wissenschaftliches Wirken hinaus war Biagioli ein Mentor und geistreicher Gesprächspartner, dessen intellektueller Großmut und kritischer Scharfsinn Wissenschaftler*innen über Generationen hinweg inspirierte. Sein interdisziplinärer Ansatz sowie sein unermüdliches Engagement für offenen Dialog verkörperten den Geist des MPIWG in seiner ganzen Tiefe.
Das Ableben von Mario Biagioli stellt einen großen Verlust für unsere Gemeinschaft und die breite akademische Öffentlichkeit dar. Sein Wirken lebt fort in den lebhaften Debatten, die er anstieß, und in den Wegen, die er für künftige Forschung geebnet hat.
Unsere tiefe Anteilnahme gilt seiner Familie, seinen Freunden und all jenen, die von seinem außergewöhnlichen Intellekt und Geist berührt wurden.
Dagmar Schäfer und Matteo Valleriani