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Die Zukunft der Bildung: Die Max-Planck-Gesellschaft startet das interdisziplinäre Forschungsprojekt „EduTrack“

Die Max-Planck-Gesellschaft startet ein sechsjähriges Forschungsprojekt, um zu untersuchen, wie sich das Bildungswesen angesichts rascher gesellschaftlicher Veränderungen weiterentwickeln muss. Ab April 2026 leitet das Projekt „EduTrack“ eine Zusammenarbeit zwischen Forschenden aus drei Max-Planck-Instituten ein. Expert:innen aus den Bereichen Demografie, Geschichte, Informatik und Politikwissenschaft werden zusammenarbeiten, um neue Erkenntnisse über digitale Bildung, die Globalisierung von Wissen sowie die Auswirkungen von Bildung auf soziale Mobilität, Krisenresilienz und Demokratie zu gewinnen.

Das Projekt wird von Population Europe geleitet, wodurch die politische Wirksamkeit der Forschung sichergestellt wird.

Die Zukunft der Bildung

EduTrack wurde als Reaktion auf eine Reihe globaler Megatrends ins Leben gerufen, die die Bildungssysteme funktionsunfähig machen könnten, wenn keine politischen Maßnahmen ergriffen werden. Zwei dieser Megatrends sind der demografische und der technologische Wandel. Da das Erwerbsleben länger wird und die Digitalisierung Arbeitsplätze in immer schnellerem Tempo verändert, steigt das Risiko, dass die Qualifikationen der Menschen im Laufe ihres Berufslebens mindestens einmal vollständig veralten. Ein aktueller Bericht der Europäischen Kommission warnt vor einer solchen „Kompetenzveralterung“ und fordert „einen Strukturwandel von einem linearen ‚Pipeline‘-Karrieremodell hin zu einem ‚zyklischen‘ Modell, das lebenslanges Lernen institutionalisiert“.

Gleichzeitig wird Wissen einerseits zunehmend globalisiert und andererseits immer stärker geschichtet. Berichte zeigen, dass Bildung in Europa nicht mehr als „sozialer Aufzug“ fungiert.

Dies kann zu einem Problem für den Zusammenhalt und die Entwicklung von Gesellschaften werden. Als Präsident der MPG erklärte Patrick Cramer 2025 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Bildungsdefizite verringern die Startchancen vieler junger Menschen, sind mit sozialer Benachteiligung verbunden und wirken sich negativ auf die Gesundheit der Menschen aus.“ Der MPG-Präsident forderte die Wissenschaft in ihrer Rolle als Politikberaterin heraus und erklärte, dass die Wissenschaft „eine solide Grundlage für den politischen Entscheidungsprozess bietet, vermeintlich einfache Lösungen als unzureichend entlarvt und nachhaltige Handlungsoptionen aufzeigt.“

Die vier Partner von EduTrack werden neue Erkenntnisse gewinnen, die als Ausgangspunkt für die Transformation von Bildung, Forschungseinrichtungen und Arbeitsleben dienen sollen.

Die Partner und ihre Forschungsschwerpunkte:

Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock: Soziodemografische Umstände prägen Bildungswege und umgekehrt. Das MPI für demografische Forschung ist weltweit führend in der Analyse von Bevölkerungsdynamiken. Die EduTrack-Forscher in Rostock werden das Zusammenspiel von Bildung mit Gesundheit, Familiengründung, Beschäftigung und Migration untersuchen. Dies wird uns helfen, die Rolle der Bildung bei der Gestaltung von Chancengleichheit zu verstehen und gleichzeitig Ungleichheiten und Barrieren aufzudecken, die Bildungs- und Karrierewege beeinflussen. Das Team wird von Daniela Perrotta und Alyson van Raalte geleitet (Direktoren: Emilio Zagheni und Mikko Myrskylä).

Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin: Gesellschaften schaffen wissenschaftliches und technologisches Wissen, aber wie teilen und gestalten sie es über verschiedene Epochen und Regionen hinweg neu? Am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin wird das EduTrack-Forschungsteam untersuchen, wie Migration, soziale Mobilität und digitaler Zugang den Wissensaustausch zwischen Asien und Europa neu gestalten. Ausgehend von historischen Perspektiven wird das Projekt die Auswirkungen aktueller Entwicklungen untersuchen – von Wissenspraktiken an der Basis bis hin zu nationalen Digitalisierungsstrategien. Die Forschung wird die jüngste Vergangenheit in einen längeren historischen Bogen einordnen und dadurch neue vergleichende Erkenntnisse gewinnen, die die Zusammenarbeit in der Hochschulbildung und der akademischen Forschung stärken können. Das Team wird von Lisa Onaga und Shih-Pei Chen geleitet (Leitung: Dagmar Schäfer).

Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaften, Göttingen: Das öffentliche Schulwesen steht weltweit unter zunehmendem Druck durch Mittelkürzungen, Digitalisierung und Angriffe auf liberal-demokratische Werte. Wie entwickeln sich die Überzeugungen und Einstellungen von Lehrkräften angesichts des raschen Wandels der Bildungssysteme? Die Forschungsgruppe „Teachers, Inequality, and Collective Action“ (TICA) untersucht die Wahrnehmung von Bildungswandel und Ungleichheit durch Lehrkräfte, ihre politischen Werte und ihr kollektives Engagement, wobei der empirische Schwerpunkt vor allem auf dem Nahen Osten und Nordafrika liegt. Die Gruppe wird von Hania Sobhy unter der Leitung von Steven Vertovec geführt.

Population Europe (Berlin): Neben der Forschung wird ein „Policy Lab“ den Dialog zwischen Forschern und politischen Entscheidungsträgern fördern. Dieses Policy Lab umfasst öffentliche Dialogveranstaltungen während der gesamten Laufzeit des EduTrack-Projekts. Es wird von Population Europe betrieben – dem Netzwerk der führenden demografischen Forschungszentren Europas. Das Netzwerk bietet einen internationalen Wissenspool für politikrelevante Forschung. 41 Partnerinstitute und mehr als 250 Experten beraten zu Themen wie Bildung, sozialer Zusammenhalt, Gesundheit, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.

Seit Anfang 2026 haben die Teams mit der Einrichtung ihrer Forschungsprojekte begonnen. Öffentliche Veranstaltungen, um politische Entscheidungsträger in die Forschung einzubeziehen, werden Anfang 2027 beginnen.