Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte
Verteilung gefährdeter Amphibien in Zentralamerika, im Norden Südamerikas und in der Karabik. Global Amphibian Assessment, aus: Amphibian Ark, „Frogs Matter. Global Info Pack“, Apple Valley 2008, S. 53.

Aktuelles Forschungsthema

Gefährdung und ihre Folgen

Das Dokumentieren und Bewahren von Natur und Kultur

Auf den ersten Blick scheinen die folgenden Dinge nichts miteinander zu tun zu haben: Ein Amur-Leopard, ein Paranussbaum, die 510 Fifth Avenue, der Karneval von Oruro in Bolivien, die Tofa-Sprache aus Irkutsk, ein blaubäuchiger Usambara-Frosch, eine Masoala madagascariensis, die Nasca-Linien und Geoglyphen in Peru, die Wiener Kaffeehaus-Kultur und die Ndai-Sprache in Kamerun. Gleichwohl gehören sie alle zusammen und nicht nur deswegen, weil man – wie in Jorge Luis Borges’ chinesischer Enzyklopädie – ganz willkürlich eine Kategorie bilden kann, die gerade diese Dinge umfasst. Alles was hier aufgeführt wurde – Pflanzen- und Tierarten, Orte und Gebäude, Sprachen, kulturelle Praktiken –, ist als gefährdet kategorisiert worden. Während solche Kategorisierungen oft umstritten sind, wird Gefährdung, der Begriff und das Phänomen, als mehr oder weniger selbstverständlich hingenommen. Eine Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte versucht, die Selbstverständlichkeit, mit der das Konzept der Gefährdung im aktuellen Diskurs genutzt wird, in Frage zu stellen; dazu ordnet sie dieses Konzept in begriffliche und historische Perspektiven ein und erkundet den eingebetteten, kulturell und historisch spezifischen Charakter des Imperativs, Natur und Kultur zu bewahren. Von Fernando Vidal. mehr